Weihnachtsgedanken: Ist die Welt noch zu retten?

Weihnachtsgedanken

It’s Christmas night, and everything is gonna be alright…“ klingt es aus dem schnulzigen amerikanischen Weihnachts-Popsong aus dem Radio. Ja, heute Abend, am Weihnachtsabend, wird sicherlich alles gut sein, zumindest für mich – und nächstes Jahr auch und vermutlich übernächstes. Aber in 10 Jahren, in 20? Da bin ich mir nicht so sicher. Ein Kind verändert ja einiges, das ist bekannt. Zwar ist bei mir schon seit einiger Zeit das Interesse an der Umwelt und die Auswirkungen unseres Konsums hoch, doch mit der Geburt meines Sohnes, dem nicht enden wollenden Jahrhundertsommer und der der UN vorgelegten Klimaanalyse gipfelt mein Interesse dieses Jahr in immer größerer Sorge. Sorge, dass die aktuell lebende Menschheit es nicht schaffen wird, das Ruder noch herumzureißen, wofür wir laut führender Klimaforscher noch gut 12 Jahre Zeit haben.

Wie dringend es ist, wissen wir doch eigentlich alle. Ich glaube es kann, zumindest in Deutschland, wirklich niemand mehr behaupten, die Klimaveränderungen wären ihm nicht bekannt. Genau das betont auch Greta Thunberg – das 15 jährige Mädchen aus Schweden, das die freitaglichen Schülerdemonstrationen losgetreten hat – in ihrem TED Talk. Wer den noch nicht geschaut hat, dringend tun:


Ein 15-jähriges Mädchen, dass den Nagel so dermaßen auf dem Kopf trifft und sich zudem nicht scheut, ihre Message auch auf der Klimakonferenz in Katovice laut und deutlich zu überbringen… das gebührt Respekt. Und erweckt die Frage, wieso es nicht mehr solcher Menschen gibt, die gegen das heute vorherrschende System der westlichen Welt von immer währendem Wirtschaftswachstum und Konsum laut ihre Stimme erheben. Greta macht mir einerseits Mut. Mut, weil vielleicht eine junge Person wie sie die verantwortlichen an den politischen Spitzen besser erreichen kann, weil es auf einer emotionaleren Ebene überbracht wird. Andererseits muss ich mich immer öfter dazu zwingen nicht zu pessimistisch zu denken, dass das alles doch eh nichts bringt. Vor allem, wenn man in der Vorweihnachtszeit und an BlackFridayCyberMondayBilligKaufTagen so durch die City oder die Onlinewelt tingelt und den verstandlosen Kaufrausch live miterlebt.

Mir fällt tatsächlich kaum eine kostenlose Tätigkeit ein, die einen Umweltschaden verursachen würde – spazieren gehen, singen, tanzen, sich unterhalten, in die Sterne gucken… Immer erst wenn der Mittelpunkt unserer heutigen Gesellschaft – Geld – ins Spiel kommt, sollten wir doch alle wirklich dringend beginnen unseren Kopf einzuschalten. Jedes einzelne mal, wenn der Geldbeutel gezückt wird. Denn jedes mal,  wenn wir Geld ausgeben, entscheiden wir, wer es bekommt. Ja, es stimmt, die Konzerne haben eine sehr große Macht. Eine größere als so einige Politiker, würde ich fast sagen. Aber warum haben sie die? Weil sie unser aller Geld bekommen. Ohne das hätten sie rein gar nichts zu melden. Wir sollten beginnen uns vor dem nächsten Kauf nicht mehr nur zu fragen, ob sich unser Konto das leisten kann, sondern noch viel mehr, ob sich unsere Umwelt das leisten kann. Denn nur als Gesellschaft können wir es schaffen, dass auch dein Kind und mein Kind und das Kind des Nachbarn eine lebenswerte Zukunft haben. Sowieso, ich denke wir sollten nicht vorrangig für die Menschen radikal anfangen umzudenken. Wer sind wir schon, die Erde als Supermarkt für unseren Wohlstand und Luxus zu benutzen? Vielmehr sollten wir dankbar sein, dass wir ein Teil von ihr sein dürfen, zusammen mit allen anderen Lebewesen und Pflanzen, die in keinster Weise unbedeutender sind als wir. Das Argument, der einzelne könne nichts ausrichten, zählt für mich nicht mehr. Denn nur wenn jeder einzelne etwas ausrichtet, verändert sich wirklich etwas.

Ich habe mir für das kommende Jahr vorgenommen noch stärker darauf zu achten was ich konsumiere und noch öfter meinen Mund aufzumachen. Das betrifft Dinge des täglichen Konsums wie Nahrungsmittel, Putzmittel oder Kleidung bis hin zur Wohnungseinrichtung, Flugreisen und Elektrogeräten. Denn ich bin mir sicher, jeder einzelne kann ein Vorbild für seine unmittelbare Umgebung sein und somit einen Einfluss haben. Auch müssen wir alle als Gesellschaft wieder politischer werden und nicht darauf hoffen, dass es jemand anderes schon richtet. Das haben wir jetzt ein paar Jahre versucht – klappt nicht so gut würde ich sagen.

Ein wichtiger Schritt für mich war, auf sämtlichen Social Media Kanälen den Modemädchen und, ich nenne sie jetzt mal Konsum-Influencern, zu entfolgen und dafür von den Leuten Posts in meinem Feed zu sehen, die mich dazu inspirieren, ein nachhaltigeres und umweltverträglicheres Leben zu führen (wer das ist folgt in einem späteren Post). Denn was bringt es mir, täglich vorgeführt zu bekommen, was man noch nicht hat und eigentlich auch gar nicht braucht, wo man noch nicht hingejettet ist oder es sich auch nie wird leisten können. All diejenigen die wissen, wie gut es tut, einfach mal in seinem Kopf, seinem Leben, seinen Social Media Feeds und in seiner Wohnung auszumisten, wissen wovon ich spreche.

Weniger – das ist auch mein ganz persönlicher Vorsatz für 2019. Weniger Stress, weniger Smartphone, weniger Konsum, weniger Geld ausgeben, dafür aber an der richtigen Stelle. Ich bin gespannt, wohin das führt. Ich bin mir sicher: unglücklicher werde ich dadurch nicht.

Aber nun trotz allem: Frohe Weihnachten!

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